WIE DANN DOCH ALLES ANDERS KOMMT…

Alle sagen Sie uns: «es wird sich alles ändern, wenn erst mal das Baby da ist!» Und wir denken uns; ja sicher, es werden sich einige Dinge ändern, ist ja auch eine neue Situation. Aber vieles bleibt doch gleich, weil wir ja immer noch die selben sind und ab bald dann einfach zu dritt unterwegs sein werden.

Ach, was irrten wir in der Annahme, dass wir nun «einfach» zu dritt sind. So einfach ist das nämlich nicht. Vielleicht werden wir weniger schlafen, nicht mehr ausgehen und mehr über Kinderthemen sprechen… Wir nahmen an, dass doch viele Dinge genau gleich funktionieren, einfach mit diesem kleinen wunderbaren Geschöpf an unserer Seite.

Pustekuchen – es war so einiges anders als gedacht…

Es geht jetzt auch überhaupt nicht darum, euch hier die Ohren voll zu heulen – nein, ich möchte unsere Erfahrungen einfach mit euch teilen. Vielleicht war es bei euch ähnlich, oder aber überhaupt nicht. Schreibt mir doch in den Kommentaren wie das bei euch so war.

Aber lasst uns mal beim Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus beginnen, als wir stolz unseren Kleinen mit nach Hause nehmen durften. Dieser kam ganz ohne Komplikationen zur Welt – naja gestillt werden wollte er nicht – aber sonst war alles tipptopp.

Da waren wir also, frisch gebackene Eltern und schon mal total überfordert. Weil wir einfach doch nicht alles zu Hause hatten was wir nun brauchten. Wir sassen also in unserem Auto, es war Sonntag und wir hatten eine Einkaufsliste die nicht auf sich warten lassen wollte. Also fuhren wir zum Flughafen. Mit Still-Stopp. Ich glaube ich muss euch nicht im Detail erzählen wie das alles für uns war. Kurzum: 2 Stunden Zeit bis zum nächsten Stillen (also Stillen-Probieren). Einen Dammriss. Ein Baby in der tonnenschweren Babytrage. Gefühlte 35° draussen. Sonntag. Und wir am Flughafen. HORROR! Die «Welcome-Baby-Romantik» musste wohl noch etwas warten mit ihrem Auftritt. Darauf waren wir ja sowas von nicht vorbereitet – und das war erst der Anfang.

«Darauf waren wir ja sowas von nicht vorbereitet – und das war erst der Anfang.

Wenn es euch genauso geht wie uns damals: keine Sorge – der Moment wo ihr realisiert, dass ihr nun eine kleine Familie seid, wo alle Hormone überschwappen und ihr einfach nur glücklich und angekommen seid – der kommt! Und er ist wunderbar und einzigartig. Aber um diese Momente geht es hier für einmal nicht.

Also kommen wir doch gleich zum nächsten Punkt auf den einen niemand vorbereitet. Die Sorgen. OMG! Das Gefühl sich Sorgen zu machen, um dieses kleine Geschöpf, schlagen ein wie eine Bombe. Von der ersten Minute an stellt man sich Fragen über Fragen. Atmet er noch? – die Hauptfrage die wir uns gegenseitig sicher 50 mal am Tag stellten. Hat er zu heiss? Hat er zu kalt? Wird er satt von der Muttermilch? Wieso trinkt er so langsam? Was mache ich falsch? Bin ich eine schlechte Mutter weil das Stillen nicht klappt? Wieso geht das mit dem Tragen nicht, uns ist immer zu heiss? Hat er Bauchschmerzen? Oder ist es Hunger? Geht es ihm gut? Liegt er bequem? Und das sind bei weitem noch nicht alle Fragen und Sorgen die man sich so machen kann…

Alle Bücher dieser Welt. Alle Freundinnen mit Kindern. Alle Youtube Videos und auch dieser Blogeintrag können dich nicht auf die Sorgen vorbereiten, die du als Mutter oder Vater haben wirst. Du wirst dich von Glücksgefühl über Unsicherheit, zu Versagensangst hangeln und wieder zurück. Wir haben das ganz ehrlich, total unterschätzt. Die gute Nachricht ist: nach einem guten Jahr, sind diese Sorgen in all ihren Facetten Teil unseres Alltags geworden. Sie sind nicht weg – nein – aber wir haben uns an sie gewöhnt.

Ebenfalls etwas was bei uns auch fast ein ganzes Jahr gedauert hat, war oder ist der Haushalt. Ja, wieder so ein Thema, wo du meinst zu wissen was auf dich zukommt und denkst, dass du das dann wohl auch noch auf die Reihe kriegst, weil du ja nicht arbeitest zu dem Zeitpunkt. Doch wieder kommt alles doch anders – oder aber ich bin einfach wirklich die einzige Mutter die das nicht auf die Reihe gekriegt hat. Dann brauche ich eure Tipps.

Bei uns war das nämlich in etwa so:

Noch im Wochenbett und vielleicht auch die folgenden 2 Wochen hatten wir definitiv ganz andere Sorgen und Beschäftigungen als unseren Haushalt richtig zu führen. Da war eine gemeinsame Mahlzeit schon eine Herausforderung.

«Das Baby wird euer Leben auf den Kopf stellen & du weisst erst was das heisst, wenn es da ist!»

Immerhin war unser Sohn gnädig und wir schafften es doch das eine oder andere Mal, zusammen ein sogar noch warmes Essen zu verschlingen (in der Angst, dass es gleich weitergeht). Den Rest der Zeit standen wir gefühlte 20 Male pro Tag am Wickeltisch. Wir wärmten Fläschchen. ich probierte zu Stillen, ich pumpte ab, versuchte genug zu trinken, etwas schlaues zu Essen – wegen der Muttermilch. Wir beruhigten den Kleinen und wiegten ihn in den Schlaf – und so weiter.

Auf diese ersten Wochen war ich ja auch noch irgendwie vorbereitet. Aber den anschliessenden «richtigen» Mutterschaftsurlaub stelle ich mir doch etwas anders vor. Ich glaube das Wort «Urlaub» hat da auch eine andere Bedeutung – denn so richtig erholsam fand ich das jetzt nicht. Als mein Mann wieder zur Arbeit ging, hangelten wir mein Sohn und ich uns von Schoppen zu Windel und zurück. Ich ass eigentlich nichts mehr am Mittag. Dann tauchte auch noch immer wieder mal wieder angemeldeter – oder unangemeldeter Besuch auf. Und schon wieder war es an der Zeit zu Stillen, Abpumpen und dann doch ein Fläschchen zuzubereiten. An regelmässiges Staubsaugen und Wäsche-Waschen war da nicht wirklich zu denken. Das musste schon regelrecht organisiert und geplant werden.

In den ersten Wochen ist also eher wenig von dieser Mutter-und-Baby-Kaffee-Trink-Und-Mit-Freundinnen-Tratsch-Romantik vorhanden. Ihr wisst schon, so wie die Starbucks-Mütter aus all den schönen Filmen…Nope. Denn dieses kleine Geschöpf macht nicht nur dass man «einfach» zu dritt ist, nein, es bestimmt regelrecht euer neues Leben. Aber auch hier muss ich gerechterweise sagen, dass diese wunderbare Zeit, die Romantik, dieses Geniessen des kleinen Lebewesens noch kommt! Mit ein bisschen Verspätung – was es aber nicht weniger schön macht.

Und das selbe gilt auch für den Haushalt. Auch dieser pendelt sich wieder ein. An machen Stellen schneller – bei uns ist das die Küche und das Wohnzimmer – an manchen stellen langsamer. Ich sage nur Wäscheberge. Und mit Bergen meine ich Berge, nicht Hügel oder so. Vielleicht wird das besser, wenn der Kleine dann selber Essen kann, wenn ich beim Spielplatz auf dem «Bänkli», statt mittendrin im Sandkasten, sitze. Vielleicht ist das aber wieder nur eine Vorstellung und es kommt dann doch alles anders.

Gut ist ja, dass wir nun darauf vorbereitet sind, dass man als Eltern wohl NIE vollumfänglich vorbereitet sein kann.

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